Bildreihe

Kampfkunst als Lebensweg

Philosophie und ethisches Prinzip

LESEFESTIVAL:
Uschi Schlosser-Nathusius über asiatische "Kampfkunst als Lebensweg"

Artikel im Bergsträßer Anzeiger, 22. 10. 2005

Bensheim. Die Aggression verstellt den Blick, die Grenze der Notwehr darf nicht überschritten werden. Die geistige Haltung ist wichtiger als der Wettbewerb. Das Ziel ist der Weg: Dieser beginnt in China und legt an, was später in Japan als "Weg der Kampfkünste" bezeichnet wird. "Dao" oder "Do" ist das Prinzip einer alten Weltordnung, ein mystischer Urzustand des Universums: Philosophie, Spiritualität und religiöser Glaube in einem.

Wem die asiatischen Kampfkünste bisher ein Bündel an unartikulierbaren Begriffen waren, der erfährt im neuen Buch von Uschi Schlosser-Nathusius die Hintergründe und Spielarten der diversen Lehren. Die in Bensheim lebende Fernsehjournalistin und Publizistin hat gemeinsam mit Florian Markowetz die Kampfkunst als Lebensweg in eine verständliche und kompakte Form gebracht.

Der Aperitif des Bensheimer Lesefestivals war ein praxisorientiertes Hineinschnuppern in die komplexen Grundlagen asiatischer Kampfkünste - mit strenger Betonung auf "Kunst". Das 240 Seiten starke Buch ist Sammelband mit verschiedenen Beiträgen zum Thema. Gemeinsam mit sieben weiteren Autoren haben sich die beiden Herausgeber auf das Hier und Heute eines uralten Themas konzentriert: Erfahrene Meister berichten von ihrem Lebensweg und den essenziellen Aspekten, was Kampfkunst tatsächlich bedeutet und welche Ansprüche sie an ihre Schüler stellt.

"Ohne die faszinierenden Welten des Dao, Qi und Zen ist moderne Kampfkunst nicht zu verstehen", sagt Uschi Schlosser-Nathusius bei ihrer Lesung in der Galerie am Ritterplatz. Die Trainerin für Selbstverteidigung und Trägerin des braunen Gürtels startete vor acht Jahren in der Karate-Abteilung der SSG - mit ihrem ersten Lehrer Florian Markowetz, ebenfalls aus Bensheim, hat sie jetzt ein Buch herausgegeben, das die Geisteswelt der Kampfkünste anhand unterschiedlicher Biografien und Perspektiven erklärt und auch dem Laien verständlich macht.

Die Lehre vom Weg ist ein Kämpfen ohne zu kämpfen, eine spezifische Form des Seins, die nicht als Mittel zur Selbstdarstellung missverstanden werden darf, erklärt Florian Markowetz. Selbst Träger des schwarzen Gürtels, präsentierte der Philosophiestudent in Bensheim die Besonderheiten bestimmter Bewegungsabläufe (kata), deren disziplinierte Wiederholung zur Perfektionierung körperlicher und geistiger Kräfte führt.

Über die Energien des Qi informierte Co-Autor Thomas Schmidt-Herzog: Nach Auffassung der alten chinesischen Kultur ist das Qi die Substanz des Universums in physischer und geistiger Hinsicht und stellt die einzige konstante Realität dar. Dabei stellt sich nicht die Frage nach Aufbau und Wert des Qi - allein seine Wirkung definiert das Wesen des Qi, dessen bewusste Wahrnehmung zu den wichtigsten Herausforderungen der asiatischen Kampfkünste gehört.

Das Buch präsentiert eine interessante Mischung von Beiträgen aus akademischer, praktischer und philosophischer Sichtweise. Der inhaltliche Aufbau führt den Leser flüssig durch die einzelnen Kapitel, lässt erfahrene Kendo- und Zen-Meister zu Wort kommen und gewährt lehrreiche Einblicke in die Facetten der Kampfkünste aus europäischer und asiatischer Perspektive.

Das Buch enthält außerdem Beiträge von Fritz Nöpel, Lothar Ratschke, Song Chuanyu, Rainer Jättkowski, Andreas Niehaus und Gerhard Walter. tr

© Bergsträßer Anzeiger - 22.10.2005